Winterwald
Wer den Winter im Wald überleben will, muss Energie sparen. Das wissen die Waldbewohner ganz instinktiv. Aber jedes Tier und jede Pflanze hat eine ganz eigene Überlebensstrategie.
Bäume ziehen im Herbst alle Nährstoffe aus ihren Blättern zurück. Die Blätter werden welk und verfärben sich, dann fallen sie ab. Die Bäume leben nur noch „auf Sparflamme” und halten Winterschlaf.
Auch die Tiere des Waldes fallen in eine Art Winterstarre. Sie suchen sich geschützte Plätze in Höhlen oder dichtem Gestrüpp und fressen nur noch das Nötigste. Die Eichhörnchen zum Beispiel halten hoch oben in den Bäumen Winterruhe. Sie verlassen ihre Kobel (Nester) nur, um zu ihren Vorratslagern zu huschen. Dort haben sie schon im Herbst Eicheln, Nüsse, Bucheckern und Kastanien für den Winter versteckt.
Rehe, Füchse und Dachse fressen sich im Spätsommer und Herbst einen Fettvorrat an, der ihnen im Winter als Energiereserve dient. Ihr Fell wird länger und dichter und passt sich in seiner Färbung dem Winterwald an. So kann man die Tiere nicht so leicht in ihren Winterlagern entdecken und aufschrecken. Denn durch eine Flucht verbrauchen sie sehr viel Energie. Muss ein Reh beispielsweise mehrmals flüchten, kann es dadurch zu Tode kommen.
Försterin Kathi Lohmann sorgt dafür, dass die Waldtiere im Winter ihre verdiente Ruhe finden. „Spaziergänger sind Gäste im Wald und sollten ihn schützen”, sagt sie. „Gute Gäste bleiben auf den markierten Wegen, nehmen ihre Hunde an die Leine und lassen sie im Wohnzimmer der Waldtiere nicht frei herumstöbern.” Das gilt natürlich auch für Alina und Belle, die Hunde der Försterin.
Weil es doch immer wieder Wald-Gäste gibt, die sich nicht an die Regeln halten, hat die Försterin aus Ästen und Zweigen Absperrungen an den Wegen errichtet. Sie hindern zum Beispiel Kinder oder Hunde am „Querfeldein-Rennen”. So können sie nicht aus Versehen in die wilden Brombeeren geraten und die Lager der Rehe zertreten. Oder in einen Fuchsbau stolpern.
Marko hat aber trotzdem viel Spaß. Er wirbelt mit schlurfenden Schritten Berge von braun-gelben Buchenblättern auf. Was Marko noch nicht weiß: Unter dieser kuscheligen Blätterdecke wird „hart gearbeitet”. Bakterien, Pilze, Asseln und Regenwürmer zersetzen abgestorbene Pflanzenteile und tote Tiere in winzigkleine Stückchen, wodurch im Waldboden Humus entsteht. Diese besondere Erde ist für die Pflanzen lebenswichtig.
Wenn Kathi Lohmann durch „ihren” Wald geht, begutachtet sie immer wieder aufmerksam die Äste und Blätter der Bäume. Manchmal nimmt sie auch ihr Taschenmesser, schneidet vorsichtig einen kleinen Zweig ab und zeigt ihn ihren Gästen. „Seht ihr? Der hat schon klitzekleine Knospen angesetzt! Daraus treiben im nächsten Frühjahr neue Blätter.”
Sapziergänger sollten sich aber besser keine knospenden Zweige, Sträucher, Wurzeln oder Gräser aus dem Wald mit nach Hause nehmen. Denn sie dienen zusammen mit Beeren, Moosen oder Pilzen den Tieren des Waldes als Nahrung und bleiben besser dort, wo sie sind.
Tierefüttern steht für Kathi Lohmann im Winter übrigens ganz selten an. Wer im Herbst im Garten oder am Wegrand Eicheln, Bucheckern und Kastanien gesammelt hat, kann sie natürlich gern den Tieren des Waldes anbieten, meint Kathi Lohmann. Nötig ist es aber nicht. Denn die Natur kann ganz gut für sich selber sorgen. Nur wenn eine feste Schneedecke den Waldboden überzieht, macht die Försterin eine Ausnahme. Dann bringt sie Rüben und Heu zu den Futterstellen der Tiere.
Text und Fotos: Monika Hanewinkel